Bevor man verstehen kann, wie und warum Texte in Blindenschrift umgewandelt werden müssen, muss man sich zunächst mit dem Prinzip der Datenübertragung zum Drucker auseinandersetzen. Gewöhnliche Schwarzschriftdrucker empfangen ihre Informationen in grafischer Form, so dass der Computer bereits vorbestimmt, welches Pixel an welche Stelle zu setzen ist. Hierfür gibt es verschiedene Verfahren, manche Drucker skalieren die druckbaren Punkte anhand ihrer physikalischen Fähigkeiten. Die Auflösung eines Drucks wird als "dots per Inch" (dpi) bezeichnet. Und beschreibt die Anzahl Pixel auf umgerechnet 2,54cm². Diese Angaben finden Sie übrigens auch in den technischen Daten der ViewPlus-Drucker.

Während sich der Anwender heute keine Gedanken mehr darüber machen muss, wie hoch die tatsächlich gedruckte Auflösung ist und lediglich Papierformat und Ränder entscheidend sind, war das früher anders. Besonders Typenraddrucker oder Schreibmaschinen mit Computeranschluss, die im Gegensatz zu Nadeldruckern auf feste Zeichen beschränkt sind, erhielten die Textinformationen als ASCII-Zeichen. Nach einer bestimmten Zeichenanzahl pro Zeile wurden Steuerzeichen gesendet, wie "Carriage Return", welche den Druckkopf zurück an den Anfang der Zeile bewegen, eine Zeilenschaltung veranlassen oder durch Mischen von Zeichen spezielle Sonderzeichen druckbar machen. Textverarbeitungsprogramme wurden so ausgelegt, dass der Anwender diese Steuerzeichen im Text sieht und dadurch wusste, wann eine Zeile zu Ende ist.

Dieses Prinzip haben die Brailledrucker aufgegriffen. Genau wie bei üblichen Nadeldruckern ist auch heute noch teilweise jedes ASCII-Zeichen einem Braillezeichen zugeordnet. Auch Matrixdrucker können feste Schriftwarten drucken, die im Gerät gespeichert sind, Braillezeichen sehen jedoch stets gleich aus und daher braucht es diese bei Brailledruckern nicht. Die Blindenschrift benötigt aber mehr Platz als Schwarzschrift, weil die Zeichen größer sind. Auf eine DIN A4-Seite passen rund 29 Zeichen in die etwa 25 Zeilen.

Um dieses Problem zu lösen, könnte man in der Textverarbeitung eine entsprechende Vorlage kreieren, müsste dann aber jedes Zeichen einzeln auf das Punktschriftpapier andrucken. Um Platz zu sparen, ist die Blindenkurzschrift sehr hilfreich. Hierbei werden Ausdrücke stark verkürzt und es lassen sich etwa 30% einsparen. Das reicht zwar nicht aus, um denselben Inhalt einer Schwarzschrift- auf eine Punktschriftseite zu drucken, so dass man mit dem doppelseitigen Druck (Zwischenpunktdruck) weiteren Platz einsparen kann. Hierbei werden von der Rückseite etwas versetzt Punkte in das Papier geprägt, welche die Punkte auf der Vorderseite physisch nicht beeinträchtigen. Gute Ausdrucke können über Jahrzehnte erhalten bleiben.

Wie viel Platz man konkret durch diese Maßnahmen einsparen kann, hängt von der Frage ab, ob sich die enthaltenen Wörter gut abkürzen lassen. Bei der Blindenkurzschrift werden Silben in Buchstaben zusammengefasst, einsilbige Wortkürzungen können mitunter vier Zeichen einsparen. Ein "n" beispielsweise kürzt das Wort "nicht", der Ausdruck "Hallo Welt" würde in Kurzschrift "$aqo $wyt" geschrieben. Die Großschreibung relativiert die Platzersparnis, im Beispiel zu sehen am Dollarzeichen, was einen großen Buchstaben markiert. Von daher lässt man die Großschreibung in der Blindenschrift zur Platzersparnis häufig entfallen und wendet sie nur in speziellen Fällen an, beispielsweise bei groß geschriebenen Wörtern oder bei der Anrede. Besonders die deutsche Kurzschrift ist sehr komplex und mit vielen Ausnahmen versehen, so dass Kurzschriftübersetzungsprogramme mitunter nicht ganz fehlerfrei übersetzen.

Diese aufwendigen Transkriptionshilfen übersetzen den ursprünglichen Text in Blindenkurzschrift. Das geht so weit, dass man auch durch Silbentrennung am Zeilenende weiteren Platz einsparen kann. Aufwendige Übersetzungsprogramme sind sogar in der Lage, Textstrukturen aus der Formatierung heraus zu erkennen und möglichst gut umzusetzen. Oftmals aber ist eine akkurate Umsetzung schwierig, so dass zur Nachbearbeitung weitere Blindenhilfsmittel, wie Braillezeilen und -Tastaturen, zum Nachkorrigieren erforderlich sind. Viele Programme bieten auch Editoren, so dass sehende Personen dies auch erledigen können, Punktschriftkenntnisse sind allerdings dafür notwendig. Warum man aber mit den meisten Brailledruckern keine Grafiken erstellen kann, lesen Sie auf der nächsten Seite.